Was ist dein Bindungsstil?
Hast du dich jemals gefragt, warum du dich in Beziehungen so verhältst, wie du es tust? Warum du dich zurückziehst, wenn es zu nah wird, oder warum du ständige Bestätigung brauchst, dass alles in Ordnung ist?
Die Antwort hat vielleicht weniger mit deinem Partner zu tun als mit etwas, das lange vor deiner ersten Liebe in dir geformt wurde.
Dein Bindungsstil ist wie eine Linse — und sobald du einmal durch sie siehst, beginnen viele Dinge Sinn zu ergeben. Die Streitereien, die sich immer wiederholen. Die Partner, die du immer wieder wählst. Das Gefühl in den Tagen nach einem schwierigen Gespräch.
Unsere Bindungsstile sind unbewusste Antworten auf Fragen, die unser inneres Kind nie aufgehört hat zu stellen: Bin ich geliebt? Kann ich jemandem vertrauen? Die Beziehungen, die wir in der frühen Kindheit hatten, spielen dabei eine entscheidende Rolle. Wie präsent waren deine Eltern? Hat dich dein Lehrer wirklich gesehen? Diese frühen Beziehungen haben uns gelehrt, wie wir lieben.
Forschungsergebnisse zeigen immer wieder: Das Verstehen des eigenen Bindungsstils ist einer der wirkungsvollsten ersten Schritte hin zu bewussteren, gesünderen Beziehungen — mit anderen und mit dir selbst.
Im Folgenden findest du die vier häufigsten Bindungsstile.
Sicherer Bindungsstil
Du fühlst dich sowohl mit Nähe als auch mit Unabhängigkeit wohl. Du vertraust darauf, dass dein Partner für dich da ist, und gerätst nicht in Panik, wenn er es gerade nicht ist. Konflikte fühlen sich nicht wie das Ende der Welt an. Das ist die gesunde Grundlage — sie kann erlernt werden, auch wenn du nicht mit ihr aufgewachsen bist.
Ängstlicher Bindungsstil
Du sehnst dich nach Nähe, hast aber ständig Angst, sie zu verlieren. Eine späte Antwort auf eine Nachricht kann deine Gedanken in Overdrive versetzen. Vielleicht gibst du zu viel, entschuldigst dich zu oft oder machst dich kleiner, um den Frieden zu wahren. Tief darunter liegt eine leise, hartnäckige Angst: Ich bin zu viel, und irgendwann werden sie gehen.
Vermeidender Bindungsstil
Intimität fühlt sich unangenehm an, manchmal sogar erdrückend. Du schätzt Unabhängigkeit über fast alles, und wenn jemand zu nah kommt, zieht sich etwas in dir zurück. Du wirkst vielleicht kalt oder distanziert — aber das ist meistens Schutz, keine Gleichgültigkeit.
Desorganisierter Bindungsstil
Du sehnst dich nach Nähe und fürchtest sie gleichzeitig. Beziehungen fühlen sich sowohl notwendig als auch gefährlich an. Dieser Stil hängt am häufigsten mit frühen Erfahrungen von Inkonsistenz oder Trauma zusammen — und er kann sich anfühlen, als würdest du in der Liebe einen inneren Krieg führen.
Bindungsstile können sich verändern
Die gute Nachricht ist: Bindungsstile können sich verändern. Mit Selbstwahrnehmung, mit der richtigen Beziehung und oft mit der Unterstützung einer Psychologin oder eines Psychologen bewegen sich Menschen in Richtung Sicherheit. Es geht nicht darum, eine andere Person zu werden. Es geht darum, die Person zu verstehen, die du bereits bist.
Unsere Bindungsstile prägen unser Leben auf vielfältige Weise. Eine gesündere Beziehung zu dir selbst aufzubauen — und dadurch auch zu anderen — ist bedeutsame Arbeit. Und du musst das nicht alleine herausfinden.
Unsere Psychologinnen und Psychologen sind auf Beziehungs- und Bindungsthemen spezialisiert und stehen dir zur Seite. Du kannst eine Sitzung direkt über die Mendje-App buchen.
Quellen: Basic Books (Bowlby, 1969) — Attachment and Loss; Penguin Books (Levine & Heller, 2010) — Attached: The New Science of Adult Attachment and How It Can Help You Find — and Keep — Love.